Fit for Life
Schulung sozialer Fähigkeiten
Das gezielte und strukturierte Sozialtraining in Gruppen von jeweils acht bis zehn Jugendlichen wurde im Rahmen eines Modellprojekts der Europäischen Union am Rehabilitationsforschungsinstitut des Fachbereichs Psychologie der Universität Bremen entwickelt und erprobt.
Die »Fit for Life«-Kurse sollen dabei helfen, soziale Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen einzuüben. Denn soziale Kompetenz bildet die Voraussetzung für eine angemessene Selbstsicherheit im Umgang mit anderen Menschen und ist somit wichtig für die soziale Entwicklung.
Soziale Kompetenzen
Soziale Kompetenzen werden beim Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK) definiert als die Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in bestimmten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen für den Handelnden führen. (Definiert in Anlehnung an Döpfner, Schlüter & Rey, 1981)
Soziale Kompetenzen sind unter anderem:- Nein sagen
- Versuchung zurückweisen
- Auf Kritik reagieren
- Änderungen bei störendem Verhalten verlangen
- Widerspruch äußern
- Unterbrechungen im Gespräch unterbinden
- Sich entschuldigen
- Schwächen eingestehen
- Unerwünschte Kontakte beenden
- Komplimente akzeptieren
- Auf Kontaktangebote reagieren
- Gespräche beginnen
- Gespräche aufrechterhalten
- Erwünschte Kontakte arrangieren
- Um Gefallen bitten
- Komplimente machen
- Gefühle offen zeigen
(zitiert nach Elaine Gambrill, 1995 S. 91 ff)
Das Training wird einmal wöchentlich 90 Minuten angeboten. Es beinhaltet die Module Motivation, Gesundheit, Selbstsicherheit, Körpersprache, Kommunikation, Konflikte, Freizeit, Lebensplanung, Beruf und Zukunft, Gefühle, Einfühlungsvermögen, Lob und Tadel.
Dabei ist das Training so gestaltet, dass es nicht an einen Schulunterricht erinnert. Denn viele Jugendliche haben mit der Institution Schule überwiegend negative Erfahrungen gemacht: Kritik durch Lehrer, schlechte Leistungen und schlechte Noten, Sitzenbleiben, Strafen, Vorurteile gegenüber den »schlechten« Schülern und Stigmatisierung als »Hauptschüler«, »Sonderschüler« oder Schulabbrecher führen dazu, dass die jungen Leute sich selbst nicht viel zutrauen, wenig Selbstbewusstsein haben und kaum daran glauben, dass sie etwas erreichen können. Um dies zu durchbrechen, wird das Training ansprechend, stimulierend, individualisierend und so bewertungsfrei wie möglich gestaltet.